Neue BOGG-Präsidentin Kathrin Saner: «Der finanzielle Druck ist auch eine Chance»
Quelle: Interview von Cyrill Pürro, Foto: Bruno Kissling, Oltner Tagblatt, 3. Oktober 2026
Nach gut 100 Tagen im Amt zieht Kathrin Saner, seit Juni Verwaltungsratspräsidentin der Busbetrieb Olten Gösgen Gäu AG (BOGG), im Interview mit dem Oltner Tagblatt eine erste Bilanz. Sie nennt als Ziele finanzielle Stabilität, gleichbleibende Qualität und ein gutes Arbeitsumfeld für die Belegschaft.
Finanzen: Die BOGG schloss 2025 mit einem Verlust von rund 1,5 Millionen Franken ab. Saner beschäftigt die Zahl, sie weist aber darauf hin, dass ein Teil des Verlusts gewollt ist. Die Besteller, die Kantone Solothurn und Aargau, verlangen den Abbau gebundener Reserven, um ihre Budgets zu entlasten. Für die Offertenperiode 2027/2028 will sie die effektiven Kosten des Service public gegenüber den Bestellern realistisch abbilden. Das Unternehmen sehe den finanziellen Druck als Chance zur Verbesserung. Dazu kommen das begrenzte ÖV-Budget des Kantons Solothurn, Sparbemühungen des Bundes und die Energiepreise.
Ticketverkauf: Die Haltestellenautomaten sind weg, und die Barzahlung beim Fahrer endet 2030. Saner versteht den Unmut der Fahrgäste, hält den Ticketverkauf durch das Fahrpersonal aber nicht mehr für zeitgemäss. Bargeld koste Fahrzeit, sei im Unterhalt teuer und ein Sicherheitsrisiko. Die BOGG will deshalb nicht in neue Kassensysteme im Bus investieren, sondern setzt auf Automaten an SBB-Bahnhöfen und digitale Kanäle. Mit dem Branchenprojekt MyRide soll ein neues Vertriebssystem entstehen.
E-Mobilität: Bis spätestens 2035 soll die Flotte vollständig elektrisch und CO2-neutral fahren. Die sechs eigenen Elektrobusse haben laut Saner tiefere Energiekosten pro Kilometer. Ob sich die Umstellung finanziell lohnt, hängt von der Einsatzdauer der Fahrzeuge ab, denn Langzeitwerte zu Batterien fehlen noch. Der ökologische Nutzen sei klar.
Personal: Zu den Vorwürfen eines schlechten Arbeitsklimas und einzelner Burnouts sagt Saner, man nehme sie ernst. Die BOGG stehe mit der Personalkommission im Austausch und investiere ins betriebliche Gesundheitsmanagement. Sie selbst suche den direkten Kontakt zur Belegschaft, etwa bei Besuchen im Depot Wangen und auf Busfahrten.
Zur Person: Saner ist in Olten aufgewachsen und lebt mit ihrer Familie in Köniz. Sie hat kein Auto und besitzt seit Jahren ein GA. Ihre Erfahrung stammt aus der Arbeit für SBB und Post, heute führt sie mit ihrem Bruder ein Unternehmen für Firmenkäufe und -verkäufe.
Herzlichen Dank dem Oltner Tagblatt für diesen Artikel, den wir aufgrund der Paywall stark gekürzt publizieren.










